Spannende Projekte im Zuge des zusammenwachsenden Europas
Im Zuge des Zusammenwachsens der europischen Länder und deren sukzessiver Beitritt zur EU hat es sich die KfW Entwicklungsbank auf die Fahnen geschrieben durch gezielte Förderung einzelner Massnahmen in den Beitrittsländern vergleichbare infrastrukturelle Bedingungen zu schaffen. Bereits während meines studienbegleitenden Praktikums habe ich ein derartiges Projekt kennenlernen und begleiten dürfen.
Im Auftrag der Bundesregierung werden durch die KfW Entwicklungsbank schwerpunktmäßig Projekte der kommunalen Infrastruktur gefördert, welche in der Regel als anspruchsvolle Großprojekte gelten.
Exemplarisch möchte ich mit dem heutigen Artikel die Schaffung ökonomisch effizienter Wasser Ver- und Entsorgungssysteme Albanien vorstellen.
“In Albanien gefährden ungeklärte Abwässer die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung. Außerdem
beeinträchtigen sie die Chancen auf steigende Einnahmen aus dem Fremdenverkehr in dem
Transformationsland, das über beeindruckende Naturschönheiten verfügt. Die KfW Entwicklungsbank
hilft im Auftrag des BMZ, den Übergang von ehemals planwirtschaftlichen Strukturen im Wassersektor
zu ökonomisch effizienten Ver- und Entsorgungssystemen zu meistern.
Als einer der ältesten und tiefsten Seen der Welt beheimatet der Ohrid-See an der Grenze zwischen Albanien und Mazedonien zahlreiche Fischarten, die nur in diesem See vorkommen. Er wurde 1979 von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit erklärt. Knapp 50 000 Menschen leben auf der albanischen Seite, an die Kanalisation ist nur
ein Teil der Haushalte angeschlossen. Das gesammelte Abwasser gelangt ungereinigt in den See. Die Verschmutzung des Wassers gefährdet das einzigartige Ökosystemund bedroht die Gesundheit der Bevölkerung.
Die Möglichkeiten, die der Fremdenverkehr der Region eigentlichböte,werden eingeschränkt; Touristen wollen in dem verschmutzten Wasser nicht baden. Im kommunistischen Albanien war der Ohrid-See bei Badegästen sehr beliebt. Bis zu 20 000 Besucher seien pro Tag gekommen, erinnert sich der Bürgermeister von Pogradec, Arkan Tani Shkembi. Nach dem Fall des Regimes von Enver Hoxha erlebte die Stadt zunächst einen wirtschaftlichen Aufschwung, der einiges veränderte. Immer mehr Menschen zogen in die Stadt, es wurde viel gebaut. Das ohnehin marode Abwassersystem wurde dadurch vollends überlastet, und die Wasserqualität des Sees verschlechterte sich zunehmend. Die Touristen blieben fern, mit der Wirtschaft ging es wieder bergab. „Die Menschen verstehen jetzt,wie wichtig es für sie ist, dass der See sauber bleibt – für ihre eigene Lebensqualität und für ihre Einnahmen“, sagt Bürgermeister Shkembi. Daher sei Umweltschutz heute in der Region populär, der Bau von Kläranlagen werde akzeptiert. Die Menschen sind sogar bereit, für sauberes Wasser Gebühren zu bezahlen. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für ein nachhaltiges und umwelt-verträgliches Abwassermanagement erfüllt.
Um den Ohrid-See zu schützen, finanziert die KfW Entwicklungsbank mit Geldern der Bundesregierung zusammen mit der Schweizer Entwicklungshilfe Vorhaben auf albanischer undmazedonischer Seite. In Pogradec unterstützen sie gemeinsam die Sanierung und den Ausbau der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungssysteme – der erste Spatenstich für die Kläranlage erfolgte im August 2007. Die KfW unterstützt darüber hinaus die Reformen des Unternehmens sowie den Aufbau des Know-hows für den Versorgungsbetrieb. Das Personal weiß nun,wie die Anlagen in Stand gehalten werden müssen, damit diese in zehn Jahren noch Abwasser reinigen. Um die Effizienz zu steigern,
wurde außerdem eine EDV-gestützte Buchhaltung eingeführt. Pogradec ist nun eine von nur zwei Städten Albaniens, in der die Wasserversorgung rund um die Uhr läuft und die bald auch über eine geordnete Abwasserentsorgung verfügt.
Auch in der Küstenstadt Kavaja ist die KfW Entwicklungsbank für das BMZ aktiv: In den 90er Jahren kam dort nur ein bis zwei Stunden täglich Wasser aus dem Hahn. Trotz des Mangels wurde verschwenderisch mit dem kostbaren Nass umgegangen, da es keine Wasserzähler gab. Außerdem war nur ein Drittel der Haushalte an ein Kanalisationssystem angeschlossen. Und selbst dieses leitete das Abwasser ungeklärt in die Adria – in unmittelbarer Nähe von Badestränden. Das ehemals staatlicheWasserwerk wurdemit Unterstützung der KfW Entwicklungsbank von einer
Behörde in ein Versorgungsunternehmen überführt und dasManagement inwirtschaftlicher Betriebsführung
beraten und ausgebildet. 2006 ging hier die erste Kläranlage Albaniens in Betrieb. Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der Haushalte an die Kanalisation angeschlossen. Eine Herausforderung bleibt indessen: Bisher decken die ein- genommenen Gebühren die Kosten noch nicht vollständig. Der nachhaltige Betrieb der Abwasseranlagen
ist also noch nicht vollkommen gesichert. Langfristig ist dabei das Engagement des Versorgungsunternehmens gefragt. Positiv ist aber sicherlich, dass es bereits ein Gebührensystem gibt, das zuverlässig Einnahmen generiert.
Die KfW Entwicklungsbank konnte Albanien mit ihrer Zusammenarbeit seit Anfang der 90er Jahre bei der mühsamen Umstellung von Behörden auf wirtschaftlich funktionierende Versorgungsunternehmen wirksam unterstützen. Die albanische Regierung schätzt die auf langjährige Zusammenarbeit ausgerichtete Partnerschaft. Das bestätigte
jüngst Premierminister Sali Berisha nicht zuletzt durch seine persönliche Teilnahme an der Grundsteinlegung zur Kläranlage in Pogradec. (eli)”
[Quelle: FZ - Finanzielle Zusammenarbeit - September 2008 “Abwasser und Hygiene” ]
In einem bald folgenden Artikel werde ich den Neubau eines Abwassernetzes in Mazedonien vorstellen, welches in direktem Zusammenhang mit der vorgestellten Fördermaßnahme gesehen werden kann.
Ich würde mich über Ihr Feedback zu derartigen Projekten sehr freuen.






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